Dalwhinnie
Gegründet wurde die Brennerei 1897 noch unter dem Namen Strathspey durch John Grant, George Sellar und Alexander Mackenzie, die Produktion wurde 1898 aufgenommen.
Alexander Mackkenzie war für Architektur und Bauausführung zuständig. Der Bau fiel in die Zeit des großen Whiskybooms, auf welchen ja bekanntlich der Pattison-Crash im Jahr 1901 folgte. Jedoch hatten die Gründer von Dalwhinnie bereits nach wenigen Monaten derartige finanzielle Probleme, dass die Brennerei im November 1898 an ein Konsortium der Unternehmen John Sommerville & Co. sowie A P Blyth & Sons ging, sie entschieden sich dann auch für den Namen Dalwhinnie, nach dem gleichnamigen Ort. Der bekannte Architekt Charles Cree Doig wurde mit Umbaumaßnahmen beauftragt.
Die nachfolgenden Krisenjahre schüttelten auch Dalwhinnie kräftig durch, die Brennerei wurde abermals veräußert. Die meisten Quellen geben 1905 an, allerdings berichtet dass Aberdeen Press &Journal bereits im September 1904 von den Plänen der „Cook and Bernheimer Company“ aus London und New York, welche die neuen Eigentümer waren. Demnach hat der Crash die Brennerei sogar ordentlich getroffen, die Produktion war zwei Jahre lang komplett stillgelegt. In dem Artikel werden Verbesserungen und Erweiterungen angekündigt, die Funktion des Architekten und der Bauleitung übernimmt wieder Alexander Mckenzie aus Kingussie - und damit einer der ursprünglichen Gründer.
Im Jahr 1919 ging das Unternehmen an die MacDonald Greenlees & Williams Ltd. , diese wiederum wurde 1926 von der DCL übernommen und ist bis heute Teil des Nachfolgekonzerns Diageo.
Über den Zustand 1925 berichtet das Werk "The Distilleries of Great Britain and Ireland" recht ausführlich. Der Name des Ortes und der Brennerei kommt demnach von gälischen Ausdruck "Dill-Chuinnidh", übersetzt so viel wie "the plain of meeting" (Ebene der Begegnung, Versammlungsort), da in der Vergangenheit wohl viele Treffen von Clans in der Gegend stattfanden. Das Land ist die Heimat der Macpherson, ein Zweig des mächtigen Clan Chattan. Die Gegend wird als besonders geeignet für die Whiskyproduktion beschrieben, die Nähe zu den Getreide produzierenden Counties Forfarshire, Aberdeenshire, Morayshire und Perthshire sowie die Anbindung an die Haupteisenbahnlinie "London, Midland, Scottish Railway" nach Inverness wird hervorgehoben. Auch die Torfvorräte der Region sowie der quasi unbeschränkte Zugang zur frischen Wasser werden genannt.
Die Brennerei hat 1925 eine jährliche Produktionskapazität von 200.000 Gallonen Whisky, der Malzboden ist mit perforierten Eisenplatten ausgelegt, die Maischeabfälle werden aus der Produktion direkt in Eisenbahnwaggons zum Abtransport gefüllt. Es gab sechs Washbacks aus Eichenholz, die jeweils 5.000 Gallonen fassen. Zudem zwei Brennblasen mit jeweils etwas mehr als 2.000 Gallonen Kapazität. 10.000 Whiskyfässer liegen in zwei großen Lagerhäusern, das gesamte Gelände umfasst 13 Hektar, ein Haus für das Management sowie 5 Unterkünfte für das Personal und eine kleine Farm. Als Eigentümer seit 1904 wird hier jedoch die "James Munro and Son, Ltd." beschrieben, Abfüller aus Leith. Ich gehe davon aus, dass sie Teil der "Cook and Bernheimer" Compay waren oder von dieser finanziert wurden, dann fehlt aber der Unternehmenswechsel 1919. Irgendetwas stimmt hier nicht.
Im Spätsommer 1930 gab ein einen größeren Einbruch in das Zolllager, hierbei sollen Täter nachts die Fenstergitter durchgesägt und anschließend Whiskyfässer geöffnet haben. Man ging davon aus, dass der Whisky in Benzinkanister oder ähnliche Behälter gefüllt und anschließend mit einem Motorlastwagen abtransportiert wurde. Dabei wurden 156 Gallonen gereifter Whisky gestohlen, das sind 709 Liter. Verwunderlich, weil im Nachbargebäude die Nachtschicht im Still-Room nichts gehört haben will.
Im Juni 1931 sind dann alle Beschäftigten von der Arbeit freigestellt worden, die wirtschaftliche Lage zwang Dalwhinnie erneut zur Stilllegung, wann die Stilllegung endete, konnte ich leider nicht recherchieren.
Dalwhinnie fiel dann am 1. Februar 1934 einem Feuer zum Opfer. Ich konnte nach Recherche sogar ein Foto im Dundee Courier finden, die Aufnahme wurde am 2. Februar 1934 veröffentlicht. Neben den beträchtlichen Schäden an den Gebäuden wurden auch über 13.600 Liter Whisky vernichtet. Die Feuerwehr aus Perth musste 60 Meilen anreisen und ist eine Stunde und vierzig Minuten nach Alarmierung eingetroffen. Sie konnte das Übergreifen auf das Zolllager und die weiteren Lagerhäuser verhindern. Zerstört wurden jedoch unter anderem das Kessel- und Maschinenhaus, Malzböden, Mühle und Lagerräume und Vorräte, das Mash House und beide Brennblasen. Dalwhinnie war faktisch komplett ruiniert. Der Wiederaufbau begann erst im Sommer 1937.
Am 28. März 1938 - und damit vier Jahre nach dem Feuer - nahm die neue Brennerei ihre Produktion auf. Modernisiert und immer mal wieder kleine Veränderungen, ist die Brennerei auch 90 Jahre später noch im Diageo-Konzern aktiv.
Aktuelle Beiträge
Dalwhinnie 16 Jahre, 43%. Sestante / Gordon & MacPhail. Abgefüllt in den 1980er Jahren.
Nase: Einerseits aromatische Zitrusfrüchte, andererseits doch eher dreckig assoziierte Aromen. Metallpolitur und Lanolin, Dosenmandarinen, gegrillte Ananas, Zitronendrops. Auch finde ich etwas Paraffin, Malzkekse und grünen Tee.
Gaumen: Brioche und Orangenmarmelade, Karamell und Malz. Dazu Walnüsse, Kamille, Zitronenverbene sowie ein Hauch Lavendel. Alles in allem sanft und aromatisch.
Abgang: Mittellang, fruchtig, honigsüß und etwas dünner Kaffee, die Kräuteraromen sind nun wendiger präsent.
Fazit: Noch so ein sehr gut abgestimmter Dalwhinnie, dem aber ein paar zusätzliche Umdrehungen gut getan hätten. 86/100 Punkte (2026)







